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Von Jenny, André, Marc und anderen

9. Oktober 2015 | Da fühlt man sich als alter Knabe gleich viel jünger, wenn man inmitten zweier echter Rock-Ladys wie Astrid und Jenny posieren darf. Jenny hatte mich zu dem – ansonsten restlos ausverkauften – Konzert von Bollmer („Berlin“) am vergangenen Samstag in die Hamburger Prinzenbar eingeladen. Sie ist zurzeit mit dem „Deutschrocker“ auf Tournee und spielt in seiner Band den Bass so großartig, dass die Fans in der kultigen Musikkneipe auf St. Pauli vor Begeisterung regelrecht aus dem Häuschen waren.

Jenna von Thäne, die ich immer noch „Jenny“ nennen darf, hat bei uns an der Fakultät Medientechnik studiert und vor zwei Jahren ihre Abschlussarbeit zum Thema „Radiopräsenzen im Videoportal YouTube“ unter meiner Betreuung geschrieben. Neben der Musik ist Radio auch ihre zweite Leidenschaft. Dass sie eine richtig gute Moderatorin ist, hat sie nicht zuletzt in vielen Sendungen bei 99drei Radio Mittweida unter Beweis gestellt. Unvergesslich für mich ist ihre großartige Präsentation des Campus-Festival-Finales im Jahr 2012 (für die jüngeren Studis der Hinweis: Damals haben noch Studenten der Fakultät Medien die eigenen Events präsentieren dürfen…). 

André Glatzel zeigt und erklärt Medieninformatikern das Sendestudio von 99drei Radio Mittweida
André Glatzel zeigt und erklärt Medieninformatikern das Sendestudio von 99drei Radio Mittweida

Jenny wird vermutlich auch stolz auf ihre indirekten Nachfolger André Glatzel und Marc Herrmann bei 99drei Radio Mittweida sein. Während Spiegel, Stern, Focus und Co. tagelang die „Ente“ von der kanadischen Reisewarnung für Ostdeutschland verbreiteten (siehe auch BILDblog), haben die beiden Nachwuchs-Radiomacher einfach mal bei der kanadischen Botschaft nachgefragt und schon vor einer Woche in der Morgensendung 99drei Frühflieger Entwarnung gegeben: „Es gibt definitiv keine Reisewarnung der kanadischen Regierung für Ostdeutschland“. Zur Belohnung gibt’s jetzt Lob für André und Marc von (meiner radiokundigen Gattin) Inge Seibel, das auch in der Radioszene nachzulesen ist.

Max Schrems nach Bekanntgabe des Safe Harbor-Urteils durch den Europäischen Gerichtshof | Bild: Ausschnitt aus Screenshot Tagesschau, 20.00 Uhr, 6. Oktober 2015
Max Schrems nach Bekanntgabe des Safe Harbor-Urteils durch den Europäischen Gerichtshof | Bild: Ausschnitt aus Screenshot Tagesschau, 20.00 Uhr, 6. Oktober 2015

Im Gegensatz zu Jenny, André und Marc hat Max Schrems (leider) nie an der Fakultät Medien in Mittweida studiert – sondern Jura in Wien und in den USA. Seit Dienstag dieser Woche ist er geradezu „weltberühmt“, weil aufgrund seiner Klage der Europäische Gerichtshof (EuGH) das Safe Harbor-Abkommen mit den USA für nichtig erklärt hat. Mehr Hintergrund dazu gibt’s unter anderem in diesem Erklärstück der Süddeutschen Zeitung.

Bild: eigene Darstellung mit Material aus Gutjahr’s Blog, Bild, ARD, ZDF, Der Spiegel und Focus
Bild: eigene Darstellung mit Material aus Gutjahr’s Blog, Bild, ARD, ZDF, Der Spiegel und Focus

Ohne dass er davon wusste, hat Max Schrems seit einigen Jahren einen „Auftritt“ in meiner Vorlesung „Themenfindung und -auswahl“ im Modul „Grundlagen Content“ [nächster Termin: Dienstag, 13. Oktober 2015, 11.30 Uhr, Hörsaal 041 im „Schwarzen Block“]. An dem Beispiel zeige ich darin die Funktionsweise der so genannten „Leitmedien“ auf: Vor vier Jahren hatte sich Max Schrems im Video-Interview, das Richard Gutjahr in seinem Blog am 25. September 2011 veröffentlichte, noch über das geringe öffentliche Interesse an seiner Initiative Europe vs. Facebook gewundert. Immerhin hatte sich der damals 23jährige Jurastudent aus Wien ausgerechnet Facebook als Gegner ausgesucht. Schrems forderte mehr Transparenz von dem Internetgiganten, verbunden mit der Möglichkeit, Fotos oder Texte, die bei Facebook eingestellt wurden, unwiederbringlich löschen zu können.

Video-Interview von Richard Gutjahr mit Max Schrems – zuerst veröffentlicht am 25. September 2011 in Gutjahr’s Blog
Video-Interview von Richard Gutjahr mit Max Schrems – zuerst veröffentlicht am 25. September 2011 in Gutjahr’s Blog

Mit seinem Blogeintrag und dem auch bei YouTube verbreiteten Interview mit Max Schrems löste Richard Gutjahr nach eigener Einschätzung eine “mediale Kettenreaktion” aus, in der einmal mehr die BILD-Zeitung zum entscheidenden Glied wurde: Nachdem “Europas auflagenstärkste Tageszeitung” vier Tage nach Gutjahrs Veröffentlichung den “Skandal bei facebook” auf der Titelseite verkündet hatte, mussten auch die anderen deutschen Leitmedien mitziehen – von den öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen über Medienmagazine bis hin zu Spiegel und Focus. Getreu dem Motto: Wenn’s BILD auf dem Titel hat, wird’s schon wichtig sein. Vorher hatte sich fast niemand für Max Schrems Initiative und auch nicht für die Datenkrake Facebook interessiert. Max Schrems hat diese Darstellung inzwischen übrigens selbst bestätigt. Nachdem ich den Beitrag „Max Schrems und die deutschen Leitmedien“ am Donnerstag bei blogmedien veröffentlicht hatte, meldete er sich der „Facebook-Rebell“ per Twitter: „War spannend, wie Journalisten , die das Thema vorher intern nicht „durch“ bekamen nach der Bild am Teppich standen…“

Bevor ich ich Ihnen ein schönes Wochenende und/oder einen gelungenen Start in die neue Woche wünsche, will ich mich auf diesem Wege noch für das „Angrillen der Erstis“ beim Fachschaftsrat der Fakultät Medien bedanken. Das war am Dienstabend eine gelungene Sause, zumal keine Erstsemestler, sondern besonders leckere Steaks und Bratwürste auf dem Grill lagen.

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