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…und keiner zieht den Netz-Stecker

8. Dezember 2016 | Das Webportal medienMITTWEIDA ist seit geraumer Zeit ein denkbar schlechtes Aushängeschild für die Fakultät Medien an der Hochschule Mittweida. Dennoch wollen Dekan und Projektverantwortliche stur so weitermachen. Damit gefährden sie in unverantwortlicher Weise nicht nur das öffentliche Ansehen der einstigen Vorzeige-Fakultät, sondern auch die Berufschancen der Studierenden.

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Ehrung der Silbermedaillen-Gewinnerin Steffi Kriegerstein (Mitte) während der Exmatrikulationsfeier am 21. Oktober mit Prof. André Schneider und Dr. Ramona Kusche | Bild: Helmut Hammer, Hochschule Mittweida

Ehrung für Steffi Kriegerstein anlässlich der Exmatrikulationsfeier am 21. Oktober in der evangelischen Stadtkirche „Unser lieben Frauen“. Die Mittweidaer Medienmanagement-Studentin hatte zwei Monate zuvor bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro die Silbermedaille im Kajak-Vierer gewonnen. Das erfüllt selbstverständlich auch Rektor Prof. Ludwig Hilmer mit Stolz: ‚Die Hochschule Mittweida als Partnerhochschule des Spitzensports fördert ihre Spitzensportler. Indem sie Studium und Spitzensport erfolgreich unter einen Hut bringen, seien sie auch Vorbilder für andere Studierende‘, wurde der Rektor noch am selben Tag in einem Beitrag auf der offiziellen Website der Hochschule zitiert. Die Hochschulleitung ernannte Steffi zur „olympischen Botschafterin der Hochschule Mittweida“.

Nur gut, dass der Rektor und die anderen Mitglieder der Hochschulleitung ganz offensichtlich zuvor nicht den bereits am 24. August bei medienMITTWEIDA veröffentlichten – zumeist aus kryptischen Sätzen bestehenden – Beitrag „Steffi Kriegerstein, Medienstudentin“ zur Kenntnis genommen hatten. Darin wird nämlich ein eher schlechtes Bild von Steffis Engagement für die Hochschule vermittelt:

„Zwischen den Trainingsphasen schaltet sie ab oder ‚macht irgendwelche Uni-Sachen'“.

Solch dümmliches Geschreibsel ist vermutlich Teil der „Mission“, mit der Markus Heinker seit März dieses Jahres medienMITTWEIDA „runderneuern“ will. Er halte es für richtig, auch einmal negative Dinge auf der Plattform der Fakultät Medien anzusprechen, erklärte mir der Rechtsanwalt und Honorarprofessor in dieser Woche bei einem überraschenden Besuch in meinem Büro. Zuvor hatte er nach eigenen Angaben Kollegen in der Professorenschaft schon erklären müssen, warum er wenige Tage zuvor mit dem Ranking „Frustriert“ Dozenten der Fakultät Medien öffentlich blosstellen ließ. Den Beitrag „Kampf im Medientempel“ musste Heinker inzwischen zwar wieder aus dem „Netz“ nehmen lassen, seitdem machen Screenshots und Downloads in den Sozialen Netzwerken „die Runde“; längst nicht nur unter den Studierenden.

Solche und viele weitere Fehlleistungen, die in den letzten Monaten unter Heinkers Leitung von seinem „Publishing Manager“ Dirk Schultze* bei medienMITTWEIDA veröffentlicht wurden, stören Dekan Prof. Michael Hösel und seine Studiendekane scheinbar überhaupt nicht.

*Update 13.12.2016 | Das tut mir leid: ich hatte bei Schultze bislang das „t“ übersehen und reiche es hiermit nach… 

Mehrfach habe ich in den vergangenen Wochen die Honoratioren der Fakultät Medien schriftlich aufgefordert, das Webportal „umgehend aus dem Internet zu nehmen; so lange bis Inhalte zur Verfügung stehen, die für eine Medienfakultät angemessen sind.“ Trotz meiner Ankündigung, dass ich mich andernfalls in diesem Blog zu medienMITTWEIDA äußern werde, erhielt ich bis heute keine Reaktion. Warum auch? Er habe „mit den anderen“ längst besprochen, dass das Portal im Netz bleibt. Da  könne ich machen, was ich wolle, erklärte mir Heinker selbstherrlich am vergangenen Dienstag.

Klar, auch ich muss mir möglicherweise Untätigkeit in den vergangenen Monaten angesichts der negativen Entwicklung von medienMITTWEIDA vorwerfen lassen. Schließlich hatte ich das Onlineprojekt gemeinsam mit wunderbaren Studierenden im Jahr 2006 entwickelt und fast neun Jahre ununterbrochen geleitet. Auch in dieser Zeit gab es gelegentlich Artikel, Bilderserien oder Videos, die besser nicht veröffentlicht worden wären. medienMITTWEIDA war schon immer ein Webportal, auf dem auch „geübt“ werden durfte, allerdings unter kompetenter Anleitung und festen Rahmenbedingungen. Heraus kamen so auch Beiträge, Serien und Aktionen, die von anderen Medien und Fachdiensten in ihrer Berichterstattung aufgegriffen wurden, wie in der folgenden Präsentation nachzusehen ist, die anlässlich des fünften Jubiläums erstellt – und während des Medienforums Mittweida im Herbst 2011 gezeigt wurde.

Ehemalige Teilnehmer am Projekt medienMITTWEIDA sind heute angesehene Redakteure, erfolgreiche Videoproduzenten oder gar einflussreiche Manager in der Kommunikations- bzw. Werbebranche. Alumni berichteten immer wieder, dass für sie die Erfahrungen aus dem Onlineprojekt wertvoll waren, beim Berufseinstieg genau so – wie als Referenz-Adresse. Seitdem Heinker und Schultze im Zuge ihrer „Runderneuerung“ unser Webportal immer weiter ruinieren, sind Studierende wohl gut beraten, medienMITTWEIDA besser zu verschweigen, wie Nina Förster, die letzte Chefredakteurin unter meiner Projektleitung in einem Facebook-Eintrag zugleich traurig und wütend feststellte:

„Es ist ein Unding, wenn man ein Jahr Nachtschichten schiebt und Vorlesungen verpasst, um sein Bestes für dieses Projekt zu geben und es einem jetzt zu peinlich ist, medienMITTWEIDA als Referenz anzugeben. Denn es hatte mal Niveau, nur wissen das die meisten schon nicht mehr.“

Das letzte Erfolgserlebnis hatten Nina und ihr engagiertes Team nur wenige Tage vor Ende ihrer „Dienstzeit“ bei medienMITTWEIDA mit einer Serie über die Facebook-Nutzung von Studenten, die im März 2015 unter anderem von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für die eigene Berichterstattung aufgegriffen wurde.

Soweit mir bekannt ist, hat seitdem nie wieder ein externes Medium über unser Webportal berichtet. Und das ist gut so. Schließlich sind es nicht nur grundlegende journalistische Mängel – wie die

die medienMITTWEIDA zu einer publizistischen „No-go-Area“ machen, sondern auch die wenig anziehende optische Erscheinungsweise und die unübersichtliche Blog-Struktur. Eine bekannte Webdesignerin, die der Hochschule Mittweida und der Fakultät Medien nach eigenen Angaben durchaus „gut gesonnen“ ist, bezeichnete das Design auf neutrale Anfrage hin als „unmöglich“. Eine Berufskollegin wird noch deutlicher:

„Abgesehen von der unangepassten CI über die wenig aussagekräftigen Titel bis hin zur nicht einladenden Menü-Struktur. Sehr schade, dass das nicht wirklich ein aktuelles Blog ist.“

Dabei bastelt „Publishing Manager“ Dirk Schultze nach übereinstimmenden Aussagen mehrerer Projektteilnehmer schon seit vielen Monaten an einem WordPress Theme des Anbieters „Elegants“ herum, das für 249 US-Dollar als so genanntes „Bundle“ angeboten wird (zum Vergleich: Das Theme „Uku“, mit dem Medien!Student erstellt wird, kostet bei Elmastudio einmalig 18 Euro). Schultzes Bemühungen bei Aufbau und Einrichtung eines vorzeigbaren Weblogs sind bislang wohl weitgehend gescheitert, wie „abgeschnittene“ Köpfe, kaum identifizierbare Beitragstitel oder die fehlende Suchfunktion schon beim Aufruf der Startseite sowohl auf Desktop-Computern als auch auf mobilen Endgeräten erkennen lassen.

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Startseite von medienMITTWEIDA am 8. Dezember 2016 | dargestellt bei „Am I Responsive“

Immerhin – nachdem medienMITTWEIDA monatelang „herrenlos“ durch das „Netz“ gedümpelt war, hat Schultze vor einigen Tagen zumindest ein Impressum hinzugefügt und sich selbst auch gleich als „Wissenschaftliche Leitung und V.i.S.d.P“ (Verantwortlicher im Sinne des Presserechts) eingesetzt. Das ist nach dem sächsischen Pressegesetz zwar nicht zu beanstanden – für eine staatliche Hochschule allerdings völlig unüblich. In der Regel vertritt der Rektor oder zumindest der zuständige Dekan studentische Projekte in der Öffentlichkeit.

Ich mag allerdings nicht ausschließen, dass sich Professor Hösel, die Studiendekane und sogar der intern benannte Projektleiter Markus Heinker angesichts des für eine Medienfakultät erstaunlich unprofessionellen Webauftritts lieber „weg ducken“ und stattdessen mit Dirk Schultze einem Mitarbeiter der „Fakultätsverwaltung“ virtuell den Vortritt lassen. Eine solche Vorgehensweise wäre wohl auch angezeigt, wenn es um die namentliche Kennzeichnung einzelner Veröffentlichungen von Studierenden geht.

„Herr Schultze redigiert regelmäßig unsere eingereichten Beiträge bis zur Unkenntlichkeit, ohne dass er vor der Veröffentlichung mit uns darüber spricht“…

…beklagten sich nahezu gleichlautend in den vergangenen Wochen Teilnehmer an dem Projekt medienMITTWEIDA bei mir. Themen, die von den Studierenden vorgeschlagen – oder gar schriftlich eingereicht werden, soll der „Publishing Manager“ dagegen grundsätzlich ignorieren. So kommt es wohl auch, dass im Vorweg des „Medienforums Mittweida 2016“ kein Beitrag zur  wichtigsten Veranstaltung des Jahres auf dem Webportal der eigenen Fakultät veröffentlicht wurde.

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Abschlussbild: Die Macher des Medienforums Mittweida 2016 mit Rektor Prof. Ludwig Hilmer

Pannen hin – Versäumnisse her. Markus Heinker ficht das alles nicht an. Im Gespräch mit mir gibt er sich überzeugt, dass medienMITTWEIDA journalistischen Ansprüchen genüge. Bei meiner Nachfrage, woher er denn die journalistische Kompetenz dazu nehme, dieses auch beurteilen zu können, gerät er zuerst ins Stocken und harscht mich schließlich an „ich lass‘ mich von Ihnen doch nicht ausfragen“. Bald darauf verlässt er mein Büro in Richtung Dekanat. Einzelne Aufgaben der Fakultätsleitung hat der frühere Programmdirektor von „Energy Sachsen“ (2000-2002) ohnehin schon übernommen, zum Beispiel die Verpflichtung von Gast-Dozenten, wie im Beitrag EMMY Gewinnerin Henriette Lippold wird Dozentin in Mittweida“ nachzulesen ist:

Als Henriette Lippold die Party verlässt, ist in Deutschland Morgen. Das Telefon steht nicht mehr still. Unter den Anrufern: Prof. Markus Heinker von der Hochschule Mittweida. Er gratuliert zum Emmy und entlockt ihr das Versprechen im kommenden Semester ihr Wissen an die Medienstudenten der Hochschule weiterzugeben. 

So „geht“ seriöser Journalismus nun wirklich nicht. Dennoch dürfen Markus Heinker und Dirk Schultze vorerst weitermachen, weil keiner aus der Hochschul- oder Fakultätsleitung den „Netz-Stecker zieht“; zum Leidwesen des öffentlichen Ansehens einer ganzen Fakultät, ihrer Mitarbeiter, Studierenden und auch ihrer Alumni. Schade.

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