"Oberstes Prinzip ist Verständlichkeit"
02.12.2008
Warum Tagesschau und Tagesthemen aus "Bombay" berichteten
Nicht nur Medienstudenten dürften sich in den vergangenen Tagen darüber gewundert haben, dass deutsche Leitmedien über Terroranschläge in "Bombay" berichteten. Immerhin wurde die indische Hafenstadt bereits 1995 offiziell in "Mumbai" umbenannt. Carolin Hübner (MM08w1-B) fragte bei ARD-Aktuell nach und erhielt Antwort vom Zweiten Chefredakteur Thomas Hinrichs:
"Auch in der Redaktion von ARD-aktuell löst die Bezeichnung von Städten und Ortschaften, vor allem in Osteuropa, immer wieder Diskussionen aus. Oberstes Prinzip für unsere Entscheidung ist dabei Verständlichkeit; dem Zuschauer soll sofort klar sein, um welchen Ort es sich handelt. Deshalb verwenden wir in den meisten Fällen den allgemein gebräuchlichen deutschen Städtenamen, sagen also Prag und nicht Praha, Breslau und nicht Wroclaw. Auch Bombay heißt bei uns aus diesem Grund nicht Mumbai. Im Englischen hat sich dieser Name zwar schon stärker durchgesetzt, die deutschsprachigen Agenturen und die Medien benutzen aber noch überwiegend den von den englischen Kolonialherren eingeführten Begriff. Übrigens ist Mumbai auch in Indien selbst nicht unumstritten. Da sich der Name von einer Hindu-Gottheit herleitet, sehen einige Muslime und Sikhs darin eine Diskriminierung. Die Redaktion weiß, dass sie mit ihren Entscheidungen für einen bestimmten Städtenamen immer auch Widerspruch auslösen kann. Eine für alle Zeit feststehende Liste mit Ortsnamen haben wir deshalb nicht. Hin und wieder überlegen wir neu, welche Namen noch dem allgemeinen Sprachgebrauch entsprechen und welche angeglichen werden sollten."