Heimlich “9Live” gesehen
12.10.2010
“Können wir überhaupt noch aus eigenen Fehlern lernen?”, war der Untertitel der Podiumsdiskussion zum Thema “Kritik an den Medien”, die ich am Dienstagvormittag beim Medienforum Mittweida moderieren durfte. Da bot es sich am Ende der 90 Minuten langen Runde doch geradezu an, meine Gesprächspartner nach eigenen journalistischen Fehlern aus der Vergangenheit zu befragen – und was sie daraus gelernt haben.
Stefan Winterbauer, geschätzter – von manchen auch gefürchteter – Medienjournalist (“meedia.de”) hatte als Zeitungsvolontär das Foto jugendlicher Randalierer völlig “unverpixelt” einem Bericht beigefügt – und zu Recht Ärger bekommen. Seitdem, so Winterbauer, würde er die Persönlichkeitsrechte ganz besonders beachten. Was er im “Fall Kachelmann” auch nachhaltig unter Beweis stellt. Winterbauer hatte früher einmal mit der Radiomoderatorin zusammengearbeitet, die Jörg Kachelmann der Vergewaltigung beschuldigt. Von seinem Wissen hat er nie Gebrauch gemacht und gab den Namen auch nicht beim Medienforum in Mittweida preis.
Der Chefredakteur der “Leipziger Volkszeitung” und Sprecher des Deutschen Presserats, Bernd Hilder, hatte als früherer Hörfunkkorrespondent in Lateinamerika in einem Bericht die Namen zweier Länder verwechselt. Glück gehabt. Der Fauxpas war seinerzeit weder der heimischen Redaktion noch den Hörern aufgefallen. Hilder erhielt nach eigenen Angaben zumindest keine Beschwerden. Seitdem, so der gestandene Journalist, habe er sich aber zu Eigen gemacht, Fakten “doppelt und dreifach zu prüfen”.
Immer gut für eine Überraschung in so einer Runde ist Walter van Rossum. Der Investigativjournalist und Hörfunkautor, der sich in seinen Büchern unter anderem kritisch mit Sabine Christiansens früherer Talkshow im “Ersten” (“Meine Sonntage mit Sabine Christiansen”) und der Tagesschau (“Die Tagesshow”) auseinandergesetzt hatte, verriet unter fröhlichen Lachern aus dem Publikum, dass er schon mal “9 Live” gesehen habe – aber nur “heimlich”. Ob er aus den Gewinnspielereien etwas gelernt habe, blieb leider offen. Schade, ich habe auch nicht nachgefragt.
Thomas Lückerath, Gründer, Geschäftsführer und Chefredakteur von “DWDL” hatte schon vorher verraten, dass sein, ausschließlich über das Internet verbreitetes, Medienmagazin in diesem Jahr erstmals “schwarze Zahlen schreiben” würde. Glückwunsch – das können nun wirklich nicht viele deutsche Onlinemedien von sich behaupten. Besonders erfreulich ist zudem, dass Lückerath inzwischen zwei Mitarbeiter beschäftigt, die an unserer Fakultät studiert haben.
Nach der Moderation einer Podiumsdiskussion und dem Besuch von drei weiteren Veranstaltungen, bin ich heute Abend ein wenig kongressmüde – aber richtig glücklich. Auch der zweite Tag des Medienforums Mittweida war wieder erfolgreich. Alle Veranstaltungen waren gut besucht, einige gar überfüllt, wie die Gesprächsrunde zum Thema Fernsehformate für die – fast in letzter Minute - Andreas Türck seine Teilnahme zugesagt hatte. Besucher und Referenten, mit denen ich heute sprach, lobten immer wieder die gute Organisation sowie Inhalte und Durchführung der einzelnen Veranstaltungen. Mich freut das besonders für die Studentinnen und Studenten, die sich als Organisatoren, Techniker, Kulissenbauer, Referentenbetreuer, Fahrer, Berichterstatter oder Akteure der heutigen Mediennacht mit großer Begeisterung “ins Zeug” legen.
Daher mein Bekenntnis zum Abschluss: Es ist schön, solche engagierten Studenten unterrichten zu dürfen. Daran sollte ich auch immer wieder mal denken, wenn nach dem Medienforum wieder der “Lehrveranstaltungsalltag” an die Fakultät Medien zurückkehrt.