Die Stürmer aus Mittweida
13.10.2010
Ich bin jetzt schon seit sechseinhalb Jahren an der Hochschule Mittweida – so lange, wie in der vergangenen Nacht war ich hier allerdings noch nie “auf der Piste”. Die “Medienhauptstadt” ist nicht berühmt für ein “blühendes Nachtleben”, trotz Tausender Studenten.
Der Grund für meinen “Ausrutscher” war die tolle Stimmung bei der After-Show-Party im Anschluss an die Mediennacht 2010. Dass Besucher, Professoren und vor allem die Studenten so viel Lust zum Feiern bis in den Morgen hatten, lag nicht zuletzt an der großartigen Show, die zuvor im Fernsehstudio der Fakultät Medien lief und in mehrere Hörsäle der Hochschule live übertragen wurde. Prominenter Gast war MDR-Intendant Udo Reiter, der in der Reihe vor mir saß und offenbar viel Spaß an dem futuristischen Rückblick auf das Jahr 2022 unter dem Titel “Erinnere dich an morgen” hatte – genau wie anderen Zuschauer. Zum Schluss gab’s jede Menge Applaus und zu Recht viel Anerkennung für Producer Sebastian Opitz und sein Team.
In der revueartig aufgebauten Show wirkte auch die 17jährige Caro Günther mit. Die Tochter einer Hochschulmitarbeiterin hat spätestens seit gestern Abend den Beinamen “Die Stürmer aus Mittweida”. Tatsächlich erinnert die selbstbewusste Gymnasiastin mit ihrer Stimme, aber auch in ihrem Auftreten an den österreichischen Popstar Christina Stürmer Zur Mediennacht steuerte sie die offizielle Hymne “Was wir sehen wollen” bei, die sie selbst komponiert hat – der passende Text stammt von Medientechnikstudent Stefan Sturm, der als Co-Moderator des Abends eine gute Figur machte. Nach der Mediennacht erzählte Caro mir noch, dass sie seit eineinhalb Jahren Sängerin in einer Band ist, die inzwischen auch von einem privaten Sponsor gefördert wird. Dann kann es ja bald losgehen, mit der ganz großen Karriere. Ich drücke schon mal die Daumen.
Als ich heute Vormittag ins Medienzentrum “schlich”, hatte ich fast ein schlechtes Gewissen. Während ich meinen kleinen Rausch ausschlief, haben Studenten teilweise die Nacht durchgearbeitet, damit der dritte und letzte Tag des Medienforums Mittweida 2010 genauso erfolgreich wird, wie die beiden Tage zuvor. Gegen 10 Uhr war der ganze “Laden” schon wieder blitzsauber geputzt. Freundlich lächelnde Medienstudentinnen boten mir eine leckere Latte Macchiato an.
Über Nacht wurden bei medienMITTWEIDA auch Video-Interviews mit Referenten und Podiumsdiskussionsteilnehmern wie Nina Ruge, Barbara Dickmann, Peter Kloeppel, Volker Herres, Richard Gutjahr und Andreas Türck bereitgestellt. Andreas Türck, der Superstar des Daily Talks in den 90er Jahren ließ keinen Zweifel daran, dass er als Moderator mit einem neuen Format gern wieder auf die Mattscheibe zurückkehren würde. Wer weiß, vielleicht eine gemeinsame Entwickelung mit Medienstudenten aus Mittweida und ausgestrahlt beim MDR? Intendant Udo Reiter ist nach eigenen Angaben immer auf der Suche nach guten Ideen für das MDR-Fernsehen. Mit Andreas Türck als Moderator könnte er wohl auch jüngere Zuschauer – und vor allem Zuschauerinnen – anlocken.
Jetzt gerade geht eine Podiumsrunde mit Homer Simpson zu Ende – zumindest mit dessen deutscher Stimme Norbert Castell. Keine Frage – Synchronsprecher tragen erheblich zum Erfolg von Spielfilmen und TV-Serien bei. Ihre Namen sind allerdings kaum bekannt und die Honorare für große Leistungen am Mikrofon sind meistens eher mäßig. Unmittelbar ändern können wir daran wohl nichts beim Medienforum Mittweida. Mit solchen Diskussionen können allerdings Denkanstöße gegeben werden, zumindest für Medienmacher von morgen, von denen hoffentlich viele von der Fakultät Medien an der Hochschule Mittweida kommen werden. Daran habe ich nach drei Tagen Medienforum keinen Zweifel.
