Silber für Steffi in Rio

20. August 2016 | Das ist doch ein guter Grund für eine Unterbrechung der Sommerpause bei Medien!Student: Bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro hat unsere Medienmanagementstudentin Steffi Kriegerstein eine Silbermedaille gewonnen. Gemeinsam mit ihren Teamkolleginnen Franziska Weber, Tina Dietze und Sabrina Hering wurde die Dresdnerin hinter dem ungarischen Boot Zweite im Kajak-Vierer.

Silbermedaille für Medienmanagement-Studentin Steffi Kriegerstein

Silbermedaille für Medienmanagement-Studentin Steffi Kriegerstein | Bild: Hochschule Mittweida

Für diese großartige Leistung gebührt Steffi und den drei weiteren Rennkanutinnen höchste Anerkennung. Noch schöner kann das unser aller Chef, Professor Ludwig Hilmer, formulieren. Der Rektor war schon vor Steffis Abflug nach Brasilien überzeugt, dass die angehende Medienmanagerin nicht ohne Medaille an ihre Fakultät zurückkehren würde. Nach dem Finale meldete sich Ludwig Hilmer aus dem Yellow Stone Nationalpark in den USA, wo er gerade seinen Urlaub verbringt:

Liebe Steffi, herzlichen Glückwunsch zum Olympiatriumph. Die gesamte Hochschule ist ebenfalls furchtbar stolz und wir können hoffentlich bald gemeinsam feiern. Auf unserer olympischen Ehrentafel ist übrigens noch Platz für die weitere Karriere, die Sie nun völlig entspannt angehen können. In der Hochschul- und sächsischen Sportgeschichte sind Sie bereits fest verankert. 

Ich freue mich schon darauf, endlich mal einer Olympia-Medailliengewinnerin “vorlesen” zu dürfen. Bis dahin sind’s allerdings noch einige Wochen, in denen Steffi Kriegerstein ihren Erfolg so richtig “auskosten” sollte.

Am Ende wird (nicht) alles gut

cropped-topsflops.jpg22. Juli 2016 | Das war’s also schon wieder. Am Ende des Sommersemesters 2016 gibt’s meinen (persönlichen) Rückblick auf die Tops und Flops in den vergangenen Monaten, unter anderem mit besonders fleißigen Studenten, dem gefährlichen Weg in die Vorlesung und ambitionierten Radioleuten.

Top: Fleißige Studenten

Studenten

Seminar zum Thema Datenjournalismus. “Gasthörerin” Julia Müller (links) hat sich von den fleißigen Medienmanagement-Studenten für das eigene Abitur “inspirieren” lassen.

So eifrige und fleißige Studentinnen und Studenten wie im Sommersemester 2016 durfte ich schon lange nicht mehr unterrichten. Die Medienmanager des Jahrgangs 2015 haben bei einem – gar nicht mal so einfachen – schriftlichen Test im Juni mit der Durchschnittsnote 1,3 einen zehn Jahre alten Rekord eingestellt. Eine ebenso herausragende Durchschnittsnote hatten zuletzt Medienmanager des Jahrgangs 2005 bei einem Test im Frühjahr 2006 erreicht.

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Alexander Schulz machte an der Fakultät Medien der Hochschule Mittweida seine Abschlüsse als Bachelor und Master. Heute betreibt er gemeinsam mit seinem Ex-Kommilitonen Fabian Schmidt “Die Filmagentur” in Dresden.

Ebenfalls großartige Leistungen zeigten angehende Master des Studiengangs Information and Communication Science, die im Teilmodul “Anwendungsfälle” so ausgeklügelte Initiativ-Bewerbungen entwickelten und präsentierten, dass sich potentielle Arbeitgeber aus der Medien- und Kommunikationsbranche eigentlich um die Mittweidaer Absolventen reißen müssten. Wertvolle Tipps gab’s zu Beginn des Semesters vom erfolgreichen Filmproduzenten Alexander Schulz, der selbst an unserer Fakultät sein Bachelor- und Masterstudium absolviert hatte.

Flop: Der gefährliche Weg in die Vorlesung

Für mich ist es überraschend, dass regelmäßig so viele Studis in meine Vorlesungen im Zentrum für Medien und Soziale Arbeit (ZMS) kommen – obwohl sie dabei den gefährlichen Fußweg über die Bahnhofstraße in Kauf nehmen. Dass es an dieser unübersichtlichen Stelle mit der stark frequentierten Durchfahrtstraße und der gegenüberliegenden Zufahrt zu “Lidl” bislang keinen Unfall gab, ist wohl Glückssache. Die prekäre Verkehrssituation hatte sich zwischenzeitlich immerhin bis zum “Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement – Sachsen” (kurz SIB) herumgesprochen. Im April gab’s deshalb fast einen ganzen Monat lang eine Fußgängerzählung, weil “fundierte Angaben zu den Fußgängerströmen für eine weitere planerische Untersetzung einer entsprechenden Fußgängerüberquerung benötigt werden.”  Seitdem ist nichts passiert, zum Glück auch kein Unfall.

Top: “Beamender” Beamer im großen Hörsaal

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Dank “beamendem” Beamer konnten sogar wichtige Spiele der Fußball-EM im großen Hörsaal gezeigt werden | Bild: Hochschule Mittweida

Der zuvor genannte Staatsbetrieb SIB ist auch zuständig dafür, dass in neuen Gebäuden, die der Freistaat Sachsen errichten lässt, möglichst alles funktioniert. Im Zentrum für Medien und Soziale Arbeit – besser bekannt als “Schwarzer Block” – war das beispielsweise in den Hörsälen sehr lange nicht der Fall. Vorlesungen mussten unter- und gar abgebrochen werden, weil Beamer und/oder Audiosystem nicht funktionierten. Genervte Profs und verärgerte Studis fluchten regelmäßig um die Wette über den “34 Millionen teuren Bau mit den vielen Macken”. Seit Ende Mai gibt’s Entwarnung, zumindest für den großen Hörsaal: Beamer und Soundsystem funktionieren seit einem Krisentreffen mit SIB-Mitarbeitern, Technikern und Verwaltern so gut, dass selbst wichtige Spiele der Europameisterschaft projiziert werden konnten (im Gegensatz zu manchen Lehrveranstaltungen war der Hörsaal bei den Live-Übertragungen voll besetzt).

Top und Flop: Radioleute vs. Onliner

Die “Radioleute” in der Fakultät Medien galten eigentlich schon immer als besonders ambitioniert und fleißig. So mancher frühere Studi, der bei 99drei Radio Mittweida zum ersten Mal am Mikrofon stand, hat inzwischen als Redakteur, Moderator oder Musikchef beim Hörfunk Karriere gemacht. Um unser Lokalradio müssen wir uns wohl auch in Zukunft keine Sorgen machen, so lange engagierte Nachwuchsleute wie beispielsweise Fränze Schönbrodt und Dominik Schille immer wieder neue Ideen einbringen. Über das Projekt einer Live-Übertragung vom Heimspiel des SV Germania Mittweida berichtete im Mai mit der Radioszene sogar Deutschlands führendes Hörfunkportal. Gut so, denn “im Netz” ist 99drei selbst ähnlich erbärmlich vertreten, wie der Rest der Fakultät Medien. Das sollte sich ändern – spätestens im kommenden Wintersemester. Am Ende wird dann vielleicht doch noch alles gut.

Bulimie-Lernen verpönt – Abschreiben erlaubt

7. Juli 2016 | Es sind nur noch wenige Tage bis zu den schriftlichen Prüfungen am Ende des Sommersemesters. Schlaflose Nächte, wenig Freude an den finalen Spielen der Fußball-EM oder gar Zoff in der Studenten-WG – das muss nicht sein. Hier gibt’s die ultimativen Tipps für “meine” Klausuren, die alle in der ersten Prüfungswoche stattfinden.

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1. Vergessen Sie das Bulimie-Lernen..

… in den letzten Tagen und Stunden vor den Prüfungen, weil das erfahrungsgemäß nur zu Verunsicherungen, jedoch kaum zur Aufnahme von notwendigem Wissen führt. Deshalb diese gute – oder schlechte – Nachricht zuerst: Wer sich bislang nicht mit den Inhalten “meiner” Module beschäftigt hat, kann sich voll und ganz auf das Finale der Fußball-EM konzentrieren oder andere vermeintlich nützliche Dinge tun.

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2. Sie brauchen keine Spickzettel…

…und müssen sich vor der Prüfung auch nicht Unterarme oder Oberschenkel mit vermeintlich zutreffenden Lösungen vollschmieren. In meinen Klausuren bzw. Prüfungsteilen dürfen Sie ganz offiziell Mitschriften aus Lehrveranstaltungen und/oder eigene Ausarbeitungen nutzen, die im Selbststudium erstellt wurden. Schließlich will ich nicht Ihre Fähigkeiten im Auswendiglernen prüfen, sondern Ihre Kenntnisse in den Bereichen Journalismus bzw. Mediensysteme. Wer mit gut vorbereiteten und übersichtlich geordneten Unterlagen zur Prüfung kommt, hat ganz bestimmt Vorteile gegenüber den “Schummlern”.

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3. Kommen Sie rechtzeitig zur Prüfung…

…vor allem, wenn Sie am Prüfungstag von außerhalb nach Mittweida anreisen, sollten Sie so rechtzeitig starten, dass Sie auch Wartezeiten ins Staus ausgleichen  – oder Alternativen zu etwaig ausgefallenen Verbindungen im öffentlichen Verkehr finden können. Vermeiden Sie alle unnötigen Stressfaktoren, treffen bis 10 Minuten vor Prüfungsbeginn im richtigen Raum ein und konzentrieren sich dann voll und ganz auf die Aufgaben.

“Meine” Klausuren im Sommersemester 2016

Grundlagen Content (Nach- und Wiederholungsprüfung) für Medienmanager am Montag, 11. Juli 2016, 13.00-14.30 Uhr, Haus 1, Raum 1-226c
Content 1 mit den Teilmodulen “Journalistische Darstellungsformen”, “Ideenfindung und kreatives Arbeiten” (Müller) sowie “Urheberrecht” (Prof. Johannes Handschumacher) am Dienstag, 12. Juli 2016, 10.30-12.00 Uhr, ZMS, Großer Hörsaal 39-041
Grundlagen Mediensysteme einschl. Geschäftsmodelle Fernsehen (Uwe Geißler) für Medieninformatiker am Dienstag, 12. Juli 2016, 13.00-14.30 Uhr, ZMS, Großer Hörsaal 39-041 und Kleiner Hörsaal 39-001.

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4. Lesen Sie die Aufgaben sorgfältig durch…

…und beantworten bzw. lösen auch nur das, was von Ihnen gefordert wird. Meine Erfahrung zeigt, dass häufig Aufgaben zu Beginn der Klausur zu ausführlich und damit auch zeitlich zu aufwendig gelöst werden. Am Ende fehlt dann nicht selten Zeit, um die schriftliche Prüfung fertigzustellen. Aus diesem Grund ist es sicherlich keine schlechte Idee, wenn Sie zu Beginn der Prüfung zunächst einmal alle Aufgaben durchsehen und dann – nicht zuletzt auch auf Grundlage der ausgelobten Wertungspunkte – eigene Prioritäten festlegen.

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5. Treiben Sie keinen Schabernack…

…insbesondere nicht mit den Prüfungsunterlagen – das könnte unter Umständen zur Nichtanerkennung führen. Auch wenn Sie angesichts der Aufgabenstellungen ratlos, frustriert oder belustigt sein sollten, machen Sie bitte keine vermeintlich scherzhaften Anmerkungen auf den Prüfungsbogen – oder korrigieren gar die Aufgabenstellung. Sie sollten sich auch immer um ernsthafte Lösungen bemühen (selbst wenn die Aufgabenstellung ziemlich blödsinnig sein sollte). Im Zweifelsfall sprechen Sie mich an – ich werde bei allen drei Prüfungen anwesend sein.

Zum Schluss noch ein Trost für alle “Prüflinge”: Wenn Sie mit den Klausuren “durch” sind, beginnt für mich erst die Arbeit. Korrekturen und Bewertungen werde ich so schnell wie möglich durchführen, damit ich Ihnen die Ergebnisse bis spätestens Ende Juli mitteilen kann. Und danach mache ich dann Ferien…

13. Seminar: Trends in den Onlinemedien (Fortsetzung)

Termine, Veranstaltungsort und Teilnehmer

  • Dienstag, 05.07.2016, 14.00-15.30 Uhr | Haus 4, Raum 4-053 | MI15w1-B
  • Dienstag, 05.07.2016, 15.45-17.15 Uhr | Haus 4, Raum 4-053 | MI15w2-B
  • Dienstag, 05.07.2016, 17.30-19.00 Uhr | Haus 4, Raum 4-053 | MI15w3-B sowie Nach- und Wiederholer

Themen und Inhalte

  • Trends in den Onlinemedien | Fortsetzung der 13. Vorelsung
  • Fragen und ergänzende Hinweise
  • Hinweise zum Abschluss des Moduls

 

 

13. Vorlesung: Trends in den Onlinemedien

Dienstag, 5. Juli 2016, 09.45-11.15 Uhr | ZMS, Hörsaal 39-041 | Teilnehmer: MI15w1-B, MI15w2-B, MI15w3-B sowie Nachholer und Wiederholer | Hinweis: Die Vorlesung wird im 13. Seminar am Nachmittag fortgesetzt.

Themen und Inhalte

  • Trends in den Onlinemedien: Überblick und Gründe
  • Bewegtbild: Definitionen und Bedeutung | Netflix und Co. – Wettbewerber für das Fernsehen im Netz | YouTube: Bewegte Bilder und mehr | Live-Streaming: Der Erfolg von Twitch & Co.
  • Social Media: Facebook wird zur Multimedia-Plattform | Snapchat – A new Gangster in Town
  • Mobile Media: Definitionen,Verbreitung und Darstellungsformen

“Nachlese” im Lehrbrief Journalistisches Arbeiten

  • Mobiles Internet | Seiten 78-79

Begleitmaterial und Links

  • Handout zur gesamten 13. Vorlesung als PDF
  • The Social Network – Trailer zum US-Spielfilm aus dem Jahr 2010 | YouTube
  • Facebook – Unternehmensdaten | hier
  • Facebook – Instant Articles | hier
  • Facebook Video vs. YouTube Video: Which is Right for You? | Umfangreicher Vergleich vom 8. Oktober 2015 bei Hootsuite
  • Blog für journalistische Webvideos von Sandra Sperber (Spiegel Online) und Martin Heller (Welt 24) | Webvideoblog
  • Digital News Report | Stand: 23. 10. 2015 | Reuters Institute 
  • Mary Meeker | Internet Trends 2016 | bei KPCB
  • Bundestag beschließt hoffentlich Ende der Störerhaftung | 02.06.2016 |Golem
  • The App Boom is over | 08.06.2016 | Recorde
  • Nachrichtenschnipsel: Snapchat erreicht die Medien | ZAPP, NDR | 09.02.2016 | Video bei YouTube

Es geht nicht um Oliver Kahn oder Mehmet Scholl…

…son­dern um die Glaub­wür­dig­keit des öffentlich-rechtlichen Rund­funks. Ein paar Anmer­kun­gen zum Rea­li­täts­ver­lust in den von uns zwangsfinanzierten Anstalten.

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ZDF-Moderator Oli­ver Welke mit den Exper­ten Sebas­tian Kehl (links) und Oli­ver Kahn | Bild: obs/ZDF/Eliot Blondet

30. Juni 2016 | aus blogmedien“Über zehn Mil­lio­nen Fuß­ball­fans sahen im Schnitt die 15 EM-Gruppenspiele im ZDF”, jubel­ten die Main­zel­män­ner vor einer Woche via Pres­se­mit­tei­lung. Der große Zuspruch für die TV-Übertragungen der EM-Spiele im Ers­ten und Zwei­ten ist aller­dings wohl eher mit dem weit­ge­hen­den Mono­pol der Öffentlich-Rechtlichen bei der Fußball-Europameisterschaft zu begrün­den als mit dem Ein­satz von Oli­ver Kahn, Meh­met Scholl und Co. Das “Rah­men­pro­gramm” zu den Spie­len nut­zen TV-Zuschauer erfah­rungs­ge­mäß ohne­hin eher für den Bier­nach­schub oder zum Was­ser­las­sen und ärgern sich dar­über hin­aus nicht sel­ten über die “end­lo­sen Sab­be­leien”. Den­noch gab’s Lob von ZDF-Chefredakteur Peter Frey für die Exper­ten “Unser Team mit Olli und Olli − Welke und Kahn, mit Hol­ger Sta­nis­law­ski, Simon Rol­fes und Sebas­tian Kehl schlägt sich gut.”

Die öffentlich-rechtliche Fuß­ball­welt könnte also hei­ler kaum sein, wenn sich da nicht Stö­ren­friede von “kress pro” in der aktu­el­len Aus­gabe des “Maga­zins für Füh­rungs­kräfte bei Medien” über die Höhe der Hono­rare aus­ge­las­sen hät­ten, die Meh­met Scholl und Oli­ver Kahn für ihre ver­meint­li­chen Exper­ti­sen von ARD bzw. ZDF erhal­ten: Laut “kress” sol­len das 50.000 Euro pro Sen­dung sein. Oli­ver Kahn rea­gierte empört via Face­book und bezeich­nete den von “kress NEWS” in Aus­zü­gen ver­brei­te­ten Bei­trag als “eine ekla­tante Falsch­mel­dung, die jeg­li­cher Grund­lage ent­behrt” und behielt sich zudem “recht­li­che Schritte gegen Kress.de” vor. Sei­tens der ARD mel­dete sich Sport­ko­or­di­na­tor Axel Balkausky per Pres­se­mit­tei­lung am Diens­tag zu Wort: “Es gleicht bei­nahe schon vor­sätz­li­cher Bös­ar­tig­keit, wel­che Zah­len auch hier im Zusam­men­hang mit dem Exper­ten­ver­trag von Meh­met Scholl geschrie­ben und ver­viel­fäl­tigt werden.

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Tho­mas “Gott­schalk Live” im Früh­jahr 2012 | Bild: Das Erste / Gott­schalk Live

Was an der Geschichte aller­dings so “bös­ar­tig” sein soll, wol­len uns weder Balkausky noch andere Gran­den der öffentlich-rechtlichen Anstal­ten ver­ra­ten: “Gene­rell wer­den wir uns zu ver­trag­li­chen Inhal­ten unse­rer Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter nicht äußern,” ließ der ARD-Sportkoordinator nur knapp wis­sen. Soll hei­ßen — wofür die öffentlich-rechtlichen Anstal­ten die zwangs­weise erho­be­nen Bei­träge in wel­cher Höhe ein­set­zen, hat die Zah­ler ver­dammt noch­mal nicht zu inter­es­sie­ren. Diese bor­nierte Hal­tung ist nicht neu. Den­ken wir nur zurück an den unglaub­li­chen Skan­dal um Show­rent­ner Tho­mas Gott­schalk, der “Mil­lio­nen fürs Däum­chen­dre­hen” erhielt, wie Medi­en­jour­na­list Hans Hoff in der Süd­deut­schen Zei­tung zurecht kri­ti­sierte. Die ARD-Vorabendreihe “Gott­schalk Live” wurde wegen “nach­hal­ti­ger Erfolg­lo­sig­keit” (Hoff) im Juni 2012 nach nur 70 von 144 fest geplan­ten Fol­gen ein­ge­stellt. Gott­schalk bekam den­noch das Hono­rar für alle Sen­dun­gen, wie der WDR sei­ner­zeit in einer Pres­se­mit­tei­lung klein­laut ein­räu­men musste: “Ver­ein­bart wurde im Pro­duk­ti­ons­ver­trag viel­mehr, dass Tho­mas Gott­schalk bei einem vor­zei­ti­gen Ende des For­mats im Rah­men des für ‘Gott­schalk live’ ver­ein­bar­ten Hono­rars und des ver­ein­bar­ten Ver­trags­zeit­raums bis Ende 2012 für die Mode­ra­tion von ande­ren Shows ohne zusätz­li­ches Hono­rar zur Ver­fü­gung steht.

Wie üblich in sol­chen Fäl­len äußerte sich auch sei­ner­zeit der in Sachen “Gott­schalk Pleite Live” feder­füh­rende WDR nicht “zu kon­kre­ten Sum­men”. Wenn aller­dings beken­nende Bei­trags­ver­wei­ge­rer der Auf­for­de­rung des Gerichts­voll­zie­hers nach einer Ver­mö­gens­auf­stel­lung nicht nach­kom­men, könnte das im Gefäng­nis enden. So wie es eine 46-Jährige aus dem thü­rin­gi­schen Gera erfah­ren musste, die in die­sem Früh­jahr ins­ge­samt 61 Tage in Erzwin­gungs­haft im Frau­en­ge­fäng­nis der JVA Chem­nitz ein­saß und dar­über hin­aus auch noch ihre Arbeits­stelle ver­lor. Erst nach­dem Die Welt und andere Medien die­sen — tat­säch­li­chen — Skan­dal öffent­lich gemacht hat­ten, zog der MDR sei­nen Antrag auf Erlass eines Haft­be­fehls zurück. Gründe für den plötz­li­chen Sin­nes­wan­del wur­den von der Rund­funk­an­stalt nicht ver­brei­tet. Ganz nach dem Motto: ‘Was wir hier machen und wie wir ent­schei­den, hat die Öffent­lich­keit gefäl­ligst nicht zu interessieren.”

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MDR-Intendantin und ARD-Vorsitzende Karola Wille | Bild: MDR/Martin Jehnichen

Was das alles mit einer “umfas­sen­den Trans­pa­renz im wirt­schaft­li­chen und jour­na­lis­ti­schen Han­deln” gemein hat, so wie es — die von mir per­sön­lich sehr geschätzte – Karola Wille in ihren Leit­ge­dan­ken für den ARD-Vorsitz des MDR 2016 erst im Mai pro­pa­gierte, bleibt wohl ein öffentlich-rechtliches Geheim­nis; ähn­lich der Hono­rare für Gott­schalk, Scholl, Kahn und all die ande­ren ‘Nicht­schlecht­ver­die­ner’ bei ARD und ZDF. Viel­leicht bringt ja Oli­ver Kahn mit einer Klage gegen Kress doch noch Licht ins öffentlich-rechtliche Dun­kel. Für die Mit­ar­bei­ter des Medi­en­diens­tes dürfte der all­um­fas­sende Hin­weis “Hunde, die laut bel­len, bei­ßen nicht” im Hin­blick auf den frü­he­ren “Torwart-Titan” kaum beru­hi­gend sein.

13. Seminar: Evaluation und Abschluss

Termine

  • Montag, 04.07.2016, 14.00-15.30 Uhr | Haus 4, Raum 4-053 | MM15w2-B
  • Montag, 04.07.2016, 15.45-17.15 Uhr | Haus 4, Raum 4-053 | MM15w1-B

Themen und Inhalte

  • Evaluation des Teilmoduls “Journalistische Darstellungsformen” – Vorstellung der Ergebnisse, ergänzendes Feedback
  • Fragen und abschließende Hinweise zum Modul Content 1 und zur schriftlichen Prüfung am 12. Juli

13. Vorlesung: fällt aus

Montag, 4. Juli 2016, 11.30-13.00 Uhr | ZMS, Großer Hörsaal, 39-041 | MM15w1-B und MM15w2-B

Liebe Studierenden,

wir sind in diesem Sommersemester im Modul Content 1 so gut voran gekommen, dass wir mit den geplanten Inhalten in der 12. Vorlesung schon “durch” waren. Ich hatte eigentlich geplant, Sie am kommenden Montag (4. Juli) mit dem Bereich Content Marketing vertraut zu machen. Bei Vorbereitung der Vorlesung  stellte sich allerdings heraus, dass der Stoff so umfangreich ist, dass für eine fundierte Vermittlung mindestens zwei, besser drei Lehrveranstaltungen erforderlich wären, zumal Ihnen ja auch noch Grundlagen zu Marketing einschl. Kommunikation fehlen, die Ihnen ohnehin im dritten Semester vermittelt werden.

Insofern habe ich mich entschlossen, die letzte Vorlesung im Modul Content 1 am Montag, 4. Juli 2016, 11.30-13.00 Uhr abzusagen. Sie können sicher davon ausgehen, dass etwaig geplante Inhalte dieser Veranstaltung in keinem Fall Themen in der schriftlichen Prüfung am 12. Juli sein werden. Ich würde mich allerdings freuen, wenn ich Sie möglichst alle zum letzten Seminar am Montag (14.00 bzw. 15.30 Uhr) begrüßen könnte. Sie haben dann u.a. auch die letzte Möglichkeit, Fragen zum Modul Content 1 und/oder zur Klausur zu stellen. Also dann, bis Montagnachmittag.

Tageszeitungen: We’re out!

24. Juni 2016 | aus blogmedien | Auf den Brexit könnte bald der Prexit folgen, längst nicht nur in Großbritannien. Derweil profitieren Facebook & Co. von Fehlern der Medienkonzerne.

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Zur Ver­kün­dung des Brexit haben sich die gro­ßen Lon­do­ner Bou­le­vard­zei­tun­gen noch ein­mal so rich­tig ins Zeug gelegt. In Extra-Ausgaben, die bald nach Bekannt­gabe des mehr­heit­li­chen Votums der Bri­ten gegen einen Ver­bleib in der EU am Frei­tag­mor­gen an den News­stands aus­la­gen, spot­tete Rupert Mur­dochs ‘Sun’ “See EU later!”, wäh­rend ‘Daily Mail’ und ‘Daily Mir­ror’ gleich­lau­tend “We’re out” titel­ten — womög­lich auch in eige­ner Sache: Wäh­rend die Bri­ten dem­nächst die Euro­päi­sche Union ver­las­sen wer­den, könn­ten bald auch Tages­zei­tun­gen aus dem Medi­en­mix verschwinden.

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In den USA lie­gen viele Tages­zei­tun­gen schon seit Jah­ren im wahrs­ten Sinne des Wor­tes am Boden | Bild: Inge Seibel

Den ver­meint­li­chen “Prexit” hatten einflussreiche Medienmanager wie der New York Times-Herausgeber Arthur Sulz­ber­ger Jr. schon vor Jah­ren pro­phe­zeit: “Wir wer­den irgend­wann in der Zukunft auf­hö­ren, die ‘New York Times’ zu dru­cken”, sagte er schon im Jahr 2010 dem ‘Edi­tors­we­b­log’. Aller­dings wollte sich Sulz­ber­ger damals noch auf kei­nen Zeit­punkt fest­le­gen las­sen. Inzwi­schen nimmt die Ent­wick­lung aller­dings immer mehr Dyna­mik an — oder anders aus­ge­drückt: Medi­en­nut­zer grei­fen immer sel­te­ner zur Zei­tung, um sich zu infor­mie­ren. Die Schluss­fol­ge­rung ist genauso sim­pel wie zutref­fend: Wenn ein Medium nicht mehr genutzt wird, fin­det es auch keine Käu­fer und — was wirt­schaft­lich noch schwe­rer wiegt — auch keine Anzei­gen­kun­den mehr.

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In Deutsch­land haben in die­sem Früh­jahr erst­mals Soziale Medien die Tages­zei­tun­gen als bevor­zugte Infor­ma­ti­ons­quelle über­holt. Das geht zumin­dest aus dem  “Digi­tal News Report 2016″ des Reu­ters Insti­tute for the Study of Jour­na­lism an der Uni­ver­si­tät Oxford her­vor, für den ins­ge­samt rund 50.000 Pro­ban­den in 26 Län­dern befragt wur­den, dar­un­ter auch mehr als 2.000 in Deutsch­land. Ver­lage hier­zu­lande kön­nen dabei nicht ein­mal auf beson­dere  Stei­ge­rungs­ra­ten der eige­nen Online­an­ge­bote ver­wei­sen, weil sich ihre “Kund­schaft” häu­fi­ger und län­ger bei Face­book oder Snap­chat — und sel­te­ner bei Bild.de oder Spie­gel Online mit aktu­el­len Infor­ma­tio­nen ver­sorgt. Die deut­schen “Online­ma­ga­zine” lie­gen mit einem Anteil von 25 Pro­zent deut­lich hin­ter den Sozia­len Medien als bevor­zugte Nachrichtenquellen.

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ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke findet für jeden Blödsinn eine Erklärung | Bild: Mon­tage mit Bild­ma­te­rial von Face­book und Tagesschau.de

Als Face­book vor Jah­res­frist inter­na­tio­na­len Medi­en­häusern die Zusam­men­ar­beit in Form von “Instant Arti­cles” anbot, lie­ßen sich ‘New York Times’, ‘BBC’, ‘Bild’ oder ‘Spie­gel’ gar nicht erst lange bit­ten und stell­ten bereit­wil­lig hoch­wer­tige Inhalte dem Mark Zuckerberg-Imperium zur Ver­fü­gung. Seit November des vergangenen Jahres beteiligt sich auch die Tagesschau mit beitragsfinanziertem Content. “Es ist der Anspruch der Tages­schau, Nach­rich­ten über­all dort anzu­bie­ten, wo Men­schen nach Infor­ma­tio­nen suchen. Des­halb machen wir beim Test­lauf von Face­book Instant Arti­cles gern mit”, begrün­dete sei­ner­zeit ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke die­sen Blöd­sinn. Die Bei­trags­zah­ler wur­den vor Beginn des “Test­laufs” aller­dings nicht gefragt, ob sie damit ein­ver­stan­den sind, dass sich der von ihnen finan­zierte öffentlich-rechtliche Rund­funk bedin­gungs­los den “Spiel­re­geln” unter­wirft, die Face­book ein­sei­tig vor­gibt. So kön­nen bei­spiels­weise Inhalte gelöscht oder ganze Nut­zer­kon­ten ein­fach gesperrt wer­den — “wit­hout notice”.

Mark Zucker­berg bei sei­ner Keynote zur Eröff­nung der FB 2016 im April | Bild: Facebook

Mark Zucker­berg bei sei­ner Keynote zur Eröff­nung der FB 2016 im April | Bild: Facebook

Tagesschau-Chef Gniffke und andere hilf­lose Medi­en­ma­na­ger tra­gen damit auch dazu bei, dass Face­book längst “dicke Kasse” macht. Im Jahr 2015 lag der Umsatz des Unter­neh­mens aus dem kali­for­ni­schen Menlo Park bei knapp 18 Mrd. US-Dollar, wovon rund 90 Pro­zent aus Wer­be­ein­nah­men stam­men. Damit machte Mark Zucker­bergs Netz­werk zehn mal so viel Umsatz wie die gesamte deut­sche Onli­ne­wer­bung ein­schließ­lich mobi­ler Ange­bote zusam­men. Von Face­books üppi­gen Gewin­nen kann man hier­zu­lande ohne­hin nur träu­men — die lagen im letz­ten Jahr bei 3,7 Mrd. US-Dollar.

Snap­chat “A new Gangs­ter in Town” | Bild: Screen­shot aus “Snap­chat Mur­ders Face­book”, Casey Neistat bei YouTube

Snap­chat “A new Gangs­ter in Town” | Bild: Screen­shot aus “Snap­chat Mur­ders Face­book”, Casey Neistat bei YouTube

Wäh­rend Face­book seine Part­ner mit der vagen Aus­sicht auf Betei­li­gun­gen an Wer­be­er­lö­sen irgend­wie bei Laune hält, zeigt Snap­chat wie Abzo­cke bei ahnungs­lo­sen Medi­en­ma­na­gern so rich­tig “funk­tio­niert”. Der vor allem bei jun­gen Nut­zern immer belieb­ter wer­dende Messenger-Dienst, der sich gerade zum neuen Multimedia-Imperium im Netz mau­sert, lässt eta­blierte Medi­en­an­bie­ter wie bei­spiels­weise ‘CNN’, ‘Daily Mail’ oder auch ‘Buzz Feed’ über­haupt nur auf die Platt­form, wenn diese kräf­tig dafür bezah­len. CNN soll dafür angeb­lich jede Woche 200.000 Dol­lar locker­ma­chen und lie­fert dazu auch gleich noch hoch­wer­tig pro­du­zier­ten Con­tent wie bei­spiels­weise nach dem furcht­ba­ren Mas­sa­ker in Orlando vor zwei Wochen. Die Begrün­dung für sol­chen Auf­wand ähnelt in den meis­ten Fäl­len der von Tagesschau-Chef Kai Gniffke: Über Snap­chat sol­len junge Nut­zer erreicht wer­den. Wie die aller­dings von dort zu den News­por­ta­len von CNN, Tages­schau und ande­ren gelockt wer­den kön­nen, weiß offen­sicht­lich nie­mand so recht. Tages­zei­tun­gen schei­nen in den stra­te­gi­schen Über­le­gun­gen der Medi­en­kon­zerne ohne­hin kaum noch eine Rolle zu spie­len (dazu dem­nächst mehr).

Hin­ter­las­sene Zei­tun­gen in einem Wagen der Lon­do­ner Under­ground | Bild: Wikipedia/Free Public

Hin­ter­las­sene Zei­tun­gen in einem Wagen der Lon­do­ner Under­ground | Bild: Wikipedia/Free Public

Zurück zu den Bou­le­vard­blät­tern in Lon­don: Ich bin mir inzwi­schen nicht mehr sicher, ob ‘Daily Mail’, ‘Daily Mir­ror’ und auch die ‘Sun’ noch gedruckte Son­der­aus­ga­ben zum nächs­ten Refe­ren­dum auf der bri­ti­schen Insel ver­öf­fent­li­chen wer­den. Dann näm­lich, wenn die Schot­ten sich mehr­heit­lich dafür ent­schei­den, dass sie Groß­bri­tan­nien ver­las­sen — und der EU wieder bei­tre­ten wollen. Exper­ten erwar­ten ein sol­ches Votum in etwa fünf Jahren.

Tageszeitungen: We’re out!

24. Juni 2016 | aus blogmedien | Auf den Brexit könnte bald der Prexit folgen, längst nicht nur in Großbritannien. Derweil profitieren Facebook & Co. von Fehlern der Medienkonzerne.

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Zur Ver­kün­dung des Brexit haben sich die gro­ßen Lon­do­ner Bou­le­vard­zei­tun­gen noch ein­mal so rich­tig ins Zeug gelegt. In Extra-Ausgaben, die bald nach Bekannt­gabe des mehr­heit­li­chen Votums der Bri­ten gegen einen Ver­bleib in der EU am Frei­tag­mor­gen an den News­stands aus­la­gen, spot­tete Rupert Mur­dochs ‘Sun’ “See EU later!”, wäh­rend ‘Daily Mail’ und ‘Daily Mir­ror’ gleich­lau­tend “We’re out” titel­ten — womög­lich auch in eige­ner Sache: Wäh­rend die Bri­ten dem­nächst die Euro­päi­sche Union ver­las­sen wer­den, könn­ten bald auch Tages­zei­tun­gen aus dem Medi­en­mix verschwinden.

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In den USA lie­gen viele Tages­zei­tun­gen schon seit Jah­ren im wahrs­ten Sinne des Wor­tes am Boden | Bild: Inge Seibel

Den ver­meint­li­chen “Prexit” hatten einflussreiche Medienmanager wie der New York Times-Herausgeber Arthur Sulz­ber­ger Jr. schon vor Jah­ren pro­phe­zeit: “Wir wer­den irgend­wann in der Zukunft auf­hö­ren, die ‘New York Times’ zu dru­cken”, sagte er schon im Jahr 2010 dem ‘Edi­tors­we­b­log’. Aller­dings wollte sich Sulz­ber­ger damals noch auf kei­nen Zeit­punkt fest­le­gen las­sen. Inzwi­schen nimmt die Ent­wick­lung aller­dings immer mehr Dyna­mik an — oder anders aus­ge­drückt: Medi­en­nut­zer grei­fen immer sel­te­ner zur Zei­tung, um sich zu infor­mie­ren. Die Schluss­fol­ge­rung ist genauso sim­pel wie zutref­fend: Wenn ein Medium nicht mehr genutzt wird, fin­det es auch keine Käu­fer und — was wirt­schaft­lich noch schwe­rer wiegt — auch keine Anzei­gen­kun­den mehr.

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In Deutsch­land haben in die­sem Früh­jahr erst­mals Soziale Medien die Tages­zei­tun­gen als bevor­zugte Infor­ma­ti­ons­quelle über­holt. Das geht zumin­dest aus dem  “Digi­tal News Report 2016″ des Reu­ters Insti­tute for the Study of Jour­na­lism an der Uni­ver­si­tät Oxford her­vor, für den ins­ge­samt rund 50.000 Pro­ban­den in 26 Län­dern befragt wur­den, dar­un­ter auch mehr als 2.000 in Deutsch­land. Ver­lage hier­zu­lande kön­nen dabei nicht ein­mal auf beson­dere  Stei­ge­rungs­ra­ten der eige­nen Online­an­ge­bote ver­wei­sen, weil sich ihre “Kund­schaft” häu­fi­ger und län­ger bei Face­book oder Snap­chat — und sel­te­ner bei Bild.de oder Spie­gel Online mit aktu­el­len Infor­ma­tio­nen ver­sorgt. Die deut­schen “Online­ma­ga­zine” lie­gen mit einem Anteil von 25 Pro­zent deut­lich hin­ter den Sozia­len Medien als bevor­zugte Nachrichtenquellen.

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ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke findet für jeden Blödsinn eine Erklärung | Bild: Mon­tage mit Bild­ma­te­rial von Face­book und Tagesschau.de

Als Face­book vor Jah­res­frist inter­na­tio­na­len Medi­en­häusern die Zusam­men­ar­beit in Form von “Instant Arti­cles” anbot, lie­ßen sich ‘New York Times’, ‘BBC’, ‘Bild’ oder ‘Spie­gel’ gar nicht erst lange bit­ten und stell­ten bereit­wil­lig hoch­wer­tige Inhalte dem Mark Zuckerberg-Imperium zur Ver­fü­gung. Seit November des vergangenen Jahres beteiligt sich auch die Tagesschau mit beitragsfinanziertem Content. “Es ist der Anspruch der Tages­schau, Nach­rich­ten über­all dort anzu­bie­ten, wo Men­schen nach Infor­ma­tio­nen suchen. Des­halb machen wir beim Test­lauf von Face­book Instant Arti­cles gern mit”, begrün­dete sei­ner­zeit ARD-aktuell-Chefredakteur Kai Gniffke die­sen Blöd­sinn. Die Bei­trags­zah­ler wur­den vor Beginn des “Test­laufs” aller­dings nicht gefragt, ob sie damit ein­ver­stan­den sind, dass sich der von ihnen finan­zierte öffentlich-rechtliche Rund­funk bedin­gungs­los den “Spiel­re­geln” unter­wirft, die Face­book ein­sei­tig vor­gibt. So kön­nen bei­spiels­weise Inhalte gelöscht oder ganze Nut­zer­kon­ten ein­fach gesperrt wer­den — “wit­hout notice”.

Mark Zucker­berg bei sei­ner Keynote zur Eröff­nung der FB 2016 im April | Bild: Facebook

Mark Zucker­berg bei sei­ner Keynote zur Eröff­nung der FB 2016 im April | Bild: Facebook

Tagesschau-Chef Gniffke und andere hilf­lose Medi­en­ma­na­ger tra­gen damit auch dazu bei, dass Face­book längst “dicke Kasse” macht. Im Jahr 2015 lag der Umsatz des Unter­neh­mens aus dem kali­for­ni­schen Menlo Park bei knapp 18 Mrd. US-Dollar, wovon rund 90 Pro­zent aus Wer­be­ein­nah­men stam­men. Damit machte Mark Zucker­bergs Netz­werk zehn mal so viel Umsatz wie die gesamte deut­sche Onli­ne­wer­bung ein­schließ­lich mobi­ler Ange­bote zusam­men. Von Face­books üppi­gen Gewin­nen kann man hier­zu­lande ohne­hin nur träu­men — die lagen im letz­ten Jahr bei 3,7 Mrd. US-Dollar.

Snap­chat “A new Gangs­ter in Town” | Bild: Screen­shot aus “Snap­chat Mur­ders Face­book”, Casey Neistat bei YouTube

Snap­chat “A new Gangs­ter in Town” | Bild: Screen­shot aus “Snap­chat Mur­ders Face­book”, Casey Neistat bei YouTube

Wäh­rend Face­book seine Part­ner mit der vagen Aus­sicht auf Betei­li­gun­gen an Wer­be­er­lö­sen irgend­wie bei Laune hält, zeigt Snap­chat wie Abzo­cke bei ahnungs­lo­sen Medi­en­ma­na­gern so rich­tig “funk­tio­niert”. Der vor allem bei jun­gen Nut­zern immer belieb­ter wer­dende Messenger-Dienst, der sich gerade zum neuen Multimedia-Imperium im Netz mau­sert, lässt eta­blierte Medi­en­an­bie­ter wie bei­spiels­weise ‘CNN’, ‘Daily Mail’ oder auch ‘Buzz Feed’ über­haupt nur auf die Platt­form, wenn diese kräf­tig dafür bezah­len. CNN soll dafür angeb­lich jede Woche 200.000 Dol­lar locker­ma­chen und lie­fert dazu auch gleich noch hoch­wer­tig pro­du­zier­ten Con­tent wie bei­spiels­weise nach dem furcht­ba­ren Mas­sa­ker in Orlando vor zwei Wochen. Die Begrün­dung für sol­chen Auf­wand ähnelt in den meis­ten Fäl­len der von Tagesschau-Chef Kai Gniffke: Über Snap­chat sol­len junge Nut­zer erreicht wer­den. Wie die aller­dings von dort zu den News­por­ta­len von CNN, Tages­schau und ande­ren gelockt wer­den kön­nen, weiß offen­sicht­lich nie­mand so recht. Tages­zei­tun­gen schei­nen in den stra­te­gi­schen Über­le­gun­gen der Medi­en­kon­zerne ohne­hin kaum noch eine Rolle zu spie­len (dazu dem­nächst mehr).

Hin­ter­las­sene Zei­tun­gen in einem Wagen der Lon­do­ner Under­ground | Bild: Wikipedia/Free Public

Hin­ter­las­sene Zei­tun­gen in einem Wagen der Lon­do­ner Under­ground | Bild: Wikipedia/Free Public

Zurück zu den Bou­le­vard­blät­tern in Lon­don: Ich bin mir inzwi­schen nicht mehr sicher, ob ‘Daily Mail’, ‘Daily Mir­ror’ und auch die ‘Sun’ noch gedruckte Son­der­aus­ga­ben zum nächs­ten Refe­ren­dum auf der bri­ti­schen Insel ver­öf­fent­li­chen wer­den. Dann näm­lich, wenn die Schot­ten sich mehr­heit­lich dafür ent­schei­den, dass sie Groß­bri­tan­nien ver­las­sen — und der EU wieder bei­tre­ten wollen. Exper­ten erwar­ten ein sol­ches Votum in etwa fünf Jahren.